Die Angst sichtbar zu werden

Die Angst sichtbar zu werden

Hast du schon mal etwas gemacht, dass dir wirklich wichtig war, aber genau aus dem Grund hast du keinem davon erzählt und dich nicht getraut damit „sichtbar“ zu werden? Du hast deine Idee, deinen Wunsch für dich behalten, oder gleich gar nicht damit angefangen… aus Angst zu scheitern oder dich lächerlich zu machen?

Wer schon einmal durch Hindernisse und Kritik hindurch sein Innerstes nach außen gekehrt hat, einen sehnlichen Wunsch verwirklicht hat oder für etwas einstand, das ihm wirklich wichtig war, der weiß: Manchmal sieht das Endergebnis leichter aus, als es sich in der Umsetzung durch Selbstzweifel hindurch angefühlt hat ☺

So ging es mir, als ich LifeDesign – diese Webseite – ins Leben gerufen habe. Ein Herzenswunsch, meine Berufung, von der ich mir so sehr wünschte, dass sie aufgehen und erfolgreich sein würde.

Eigentlich ist LifeDesign eine Kombination aus all den Dingen, die ich bereits gut kann. Dinge, die ich über die Jahre gemacht, gelernt, an denen ich erfolgreich „gescheitert“ bin und Hindernisse, die ich erfolgreich gemeistert habe. Kein Neuland, sondern eigentlich die Quersumme aus meinen Erfahrungen und meinem Wissen. Und trotzdem war es am Anfang so schwierig mich damit zu zeigen.. seltsam oder?!

Warum also fällt uns das sichtbar werden beispielsweise mit unserer Berufung so schwer? Wie kann man trotzdem dran bleiben und wird es jemals leichter?

Ich möchte dir heute einmal erzählen, wie es mir persönlich beim „sichtbar werden“ erging und welche 6 Phasen ich hinter den Kulissen durchlaufen habe:

Phase 1: Ausnahmezustand

Als ich mit meinem Blog gestartet bin und angefangen habe Artikel zu veröffentlichen, hatte ich jedes mal Herzrasen. Die Gedanken überschlugen sich, ich fühlte eine enorme innere Anspannung. Unwohlsein und Aufregung mischten sich zu einem Cocktail aus Flucht- und Angst-Adrenalin und dann drückte ich „Veröffentlichen“.

Ein Kampf mit einem Säbelzahntiger, für den dieses Level an Adrenalin geschaffen wurde, wäre ein Klacks dagegen gewesen (oder so ☺).

Wenn wir etwas tun, das uns wirklich wichtig ist, z.B. aus unserer Berufung ein Business machen, dann steckt in der Regel viel Herz, Mut, Schweiß und Zeit dahinter. Die anderen sehen zwar das spielerische Endergebnis, nicht aber die überwundenen Selbstzweifel, durchgearbeiteten Nächte oder hart erarbeiteten Entscheidungen, die dafür nötig waren.

Kurz gesagt, bei unserer Berufung oder unseren Herzenswünschen „geht es plötzlich um etwas“: Was ist, wenn die Leute das doof finden? Was ist, wenn KEINER drauf reagiert, was ist wenn es keiner will oder kauft, für meinen Marathon spendet oder mich als Coach bucht?

Wenn wir einfach nur „irgendetwas tun“ oder etwas tun, das uns aufgetragen wurde finden wir Schutz im Unerkannt bleiben. Wir finden Schutz in der Gruppe, in der Geborgenheit unserer selbst ausgewählten Freunde, im nicht Auffallen und in der Anonymität des Internets. Wenn wir raus gehen auf die Bühne und sichtbar werden, sind wir diejenige die den anderen in ihrer Anonymität den Stoff liefern, über den sie reden können, sich austauschen können, kritisieren, zustimmen, kommentieren usw.

Die „Sicherheit“ keinen Angriffen ausgesetzt zu werden verschwindet, aber ich würde sagen, dass dafür etwas ganz anderes Einzug in unser Leben erhält: die pure Freude, andere zu bewegen, zu inspirieren, und weiter zu bringen.

Diese Freude wird nach anfänglicher Überwindung zu einer viel stärkeren Kraft, als es die Angst sich zu zeigen jemals sein kann und für mich wurde sie zu einer tragenden Welle für meine weiteren Vorhaben.

Phase 2: Baden im Erfolg

Dann kam die nächste Phase und ich klickte gefühlt 3 Millionen mal auf „aktualisieren“ um meine Email-Liste, Google Analytics-Daten, Facebook-Likes und sonstige Statistiken wachsen zu sehen. Ein herrliches Gefühl, und wenn ich ehrlich bin, auch ein bisschen süchtig machend ☺

Ich bekam plötzlich Feedback von wildfremden Menschen, die sich bei mir bedankten, mir Fan-Post schrieben, die total berührt von dem waren, was ich geschrieben hatte, die plötzlich wieder Mut fassten sie selbst sein zu dürfen und mich wiederum bestärkten weiter zu machen. Und das war der Kreislauf der Aufwärtsspirale, der mir ermöglicht hat nach und nach immer mehr über mein Projekt zu sprechen, es immer mehr Freunden zu erzählen und schließlich wollte ich gar nicht mehr aufhören darüber zu reden.

Dadurch ist mein Selbstbewusstsein auf ganz natürliche Weise durch das viele Feedback gewachsen und ich konnte mich mehr und mehr zeigen. Mittlerweile kann ich voll und ganz dazu stehen: „ich helfe Menschen dabei, ihre wahre Berufung zu finden und daraus selbstbestimmt ein Business & Leben zu gestalten, das sie lieben. Punkt.“

Ich glaube, wenn zu früh jemand zu mir gesagt hätte, „aber wie willst du damit Geld verdienen, das ist ja noch nicht mal ein richtiger Beruf“, hätte ich mich vielleicht leichter davon abbringen lassen. Heute weiß ich, dass es funktioniert – nein ich bin sogar überwältigt von der Nachfrage, wie viele wunderbare und mutige Menschen endlich DAS leben möchten, wofür sie hier sind.

Phase 3: Freunde & Familie

Früher hatte ich eher so die unüberlegte Taktik, jedem von meinen Ideen, für die ich gerade brannte, zu erzählen. Natürlich gingen 90% der Ideen nicht auf und die Folge war, dass ich irgendwann Angst hatte als Versagerin da zu stehen. Klar, bei wem 90% der Dinge nicht klappen, da kann doch etwas nicht stimmen ☺ Das einzige, was daran nicht stimmte, war mein Selbstbild. Wer bitte hatte noch keine tausend Ideen, Träume, Wünsche aus denen nichts wurde… Das sind meist ganz schön viele und ich glaube die Auswahl, welche Projekte/Ideen uns wirklich wichtig genug sind, dass wir sie durch Hindernisse hindurch erfolgreich umsetzen, ist ein ganz normaler Prozess. Wie Thomas Edison schon sagte:

Ich bin nicht 10.000 Mal gescheitert.
Ich habe erfolgreich 10.000 Wege gefunden,
die nicht funktionieren.

Daher entschloss ich mich bei meinem Berufungs-Business LifeDesign, für das ich so sehr brannte, wie noch niemals für etwas zuvor, meine Taktik zu ändern. Ich erzählte in meinem Freundes- und Familienkreis zuerst gar niemandem davon. Sobald es nicht mehr anders ging, erzählte ich ausgewählten Leuten sehr lückenhaft davon und erst als auch das nicht mehr länger ging, stellte ich LifeDesign meinen Freunden und meiner Familie vor.

Kein Scherz, ich war fast besessen davon meine Facebook-Freundeslisten und Sperrlisten zu managen und wenn doch irgendwie einmal ein Bekannter über meine Seite oder meinen Artikel stolperte und bei meiner Facebook-Seite auf „Gefällt mir“ drückte, schrieb ich die einzelne Leute sogar persönlich an, um sie zu bitten, das Like wieder zurück zu ziehen, damit ja niemand anderer die Seite sehen konnte.

Ich fühlte mich wohl dabei, meine Gedanken und Inhalte Fremden zur Verfügung zu stellen, aber ich wollte zu anfangs auf gar keinen Fall Kommentare, gut gemeinte Ratschläge, neidische Blicke oder gar Kritik von Freunden und Bekannten zu meiner bereits selbstkritischen Situation. Daher entschloss ich mich einen Zaun um das „zarte Pflänzchen“ zu bauen und ihn erst zu entfernen, als es von selbst groß genug gewachsen war und nicht mehr Gefahr lief, zertrampelt oder falsch gegossen zu werden.

Das mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, aber ich habe damit gute Erfahrungen gemacht und habe mir in der Anfangszeit ein Umfeld von 1-3 Leuten aufgebaut, die ich bei Selbstzweifel offen fragen konnte und von denen ich wusste, dass sie mich aufbauen würden, komme was wolle.

Phase 4: Mein Bestmögliches

Und so wuchs mein Selbstvertrauen weiter… ich schreibe Artikel, Kommentare und Beiträge heute viel schneller und einfach aus meinem Innersten heraus. Ich überlege, was genau ich zu einem Thema wirklich ehrlich sagen möchte und versuche nicht perfekt und möglichst professionell zu sein, sondern gebe mein Bestmögliches.

Ich habe gelernt, eine Rohfassung sehr schnell runter zu schreiben, dann Abstand zu nehmen und vielleicht noch 1-2 mal mit einem korrigierenden Auge und Herzen hinzufühlen. Ich achte dabei vor allem auf meine innere Haltung und forsche nach, ob etwas das ich erzähle aus dem Ego kommt (z.B. Selbstdarstellung) oder ob ich damit wirklich einen Mehrwert für andere schaffe. Danach lasse ich das ganze noch einmal von jemandem „Probelesen“ und dann wird es veröffentlicht. Vielen Leuten gefällt es, manchen nicht, aber so oder so ist es mein Bestmögliches!

Im Gegensatz dazu muss ich gestehen, dass ich meinen ersten Artikel glaube ich insgesamt noch mindestens 9 mal umgeschrieben habe. Ja ich hab ihn sogar in 3 verschiedenen Fassungen als Audio-Datei aufgenommen, um evtl. einen Podcast daraus zu machen, mich aber dann doch dagegen entschieden und ihn als Artikel veröffentlicht. Geschätzte Dauer bis mein erster Artikel damals fertig war: 3 Monate!

Versuche nicht über-professionell und perfekt zu sein, das verhindert nur, dass die Leute den richtigen Menschen darunter zu sehen bekommen. Doch das liebevolle Authentische darunter ist im Ende das, was dich zum Erfolg führen wird. Ich vergleiche das manchmal mit einer jugendlichen Liebesbeziehung, wo sich jeder von seiner besten Seite zeigen will und sich sogar bis zu einem gewissen Grade verstellt, um dem anderen zu gefallen. Doch übrig bleibt nur, das Authentische in uns, weil alles andere auf die Dauer zu anstrengend wird.

Also verschwende keine Zeit, etwas darzustellen oder aufrecht erhalten zu wollen, sondern gib einfach dein Bestmögliches. Nimm einfach ein Video auf so wie du bist, schreibe einen Artikel/Kommentar aus deinem Innersten, halte deine Seminare, so wie du dir Seminare immer gewünscht hättest oder entwickle das Ebook, das du zu anfangs selbst gebraucht hättest. Lass dir dabei von deinen potentiellen Kunden durch ihr Feedback helfen.

Phase 5: Umgang mit Kritik

Du hast dich getraut, du schwebst auf Wolke 7 und bist sichtbar geworden, du feierst kleine und große Erfolge, gibst dein Bestmögliches und dann kommt plötzlich ein Mensch daher, der das was du machst, sagst oder wofür du stehst, tatsächlich nicht so toll findet.

Ich schätze mich glücklich, dass ich davon bis jetzt eigentlich relativ verschont geblieben bin, aber natürlich haben sich auch bei meinen Aktivitäten schon ein paar negative Kommentare eingeschlichen. Ich wurde z.B. in einer Gruppe wo ich einen Artikel gepostet hatte, gefragt, „in welcher hirnverlorenen Märchenwelt ich eigentlich lebe“, vor allem in Bezug auf das Thema Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Da Gleichberechtigung für mich eine totale Selbstverständlichkeit ist, war ich von dem geposteten Kommentar eher geschockt, aufgewühlt und empfand ihn durchaus als Angriff. Doch ziemlich bald fühlte ich Mitgefühl mit dem Verfasser des Kommentars. Ich realisierte durch den Kommentar, wie verdammt gut es mir geht, und dass das was ich hier schreibe, für mich tatsächlich 100% gelebte Realität ist und dass ich mir meine wunderbare „Märchenwelt“ durch viele Hindernisse und Rückschläge selbst aufgebaut hatte. Ohne den Kommentar zu nah an mich rankommen zu lassen, hatte ich durch diese innere Haltung das Gefühl wieder etwas gelernt zu haben.

Weiters habe ich mir von Profis sagen lassen, dass es das Beste ist gar nicht auf solche Kommentare zu antworten. Natürlich war ich innerlich ein bisschen aufgewühlt, gehe aber generell nie „hitzköpfig“ in eine Diskussion… dann lieber nochmal einen Schritt zurück und zuerst sacken lassen. Und siehe da, der Kommentar wurde innerhalb von einer halben Stunde vom Moderator der Gruppe gelöscht und somit war das Problem erledigt. Hätte ich darauf geantwortet, hätte ich mich vermutlich in eine stundenlange Negativspirale begeben, die außer Energiefresserei nichts gebracht hätte. Denn im Internet kann man ewig diskutieren, vor allem, wenn sich der andere hinter Anonymität verstecken kann.

Also, wie wir alle wissen, ist es unmöglich es allen Recht zu machen und denjenigen, denen dein Bestes nicht genug ist, wirst du es auch mit 10.000 Überstunden und Änderungsversuchen nicht Recht machen können. Überlege stattdessen lieber, was und ob du von der anstehenden Kritik lernen kannst und willst und ansonsten lenke deine Aufmerksamkeit immer wieder auf das, was dir gut tut!

Ja es kann sein, dass Kritik kommen wird, oder dass jemand einen negativen Kommentar abgeben wird, aber die positiven Rückmeldungen und die Dankbarkeit, die du für deinen Einsatz erhälst wird immer die Überhand haben. Meist muss ich dann an Walt Disney denken, dessen Frau und Familie immer zu ihm gesagt haben „was willst du mit der blöden Maus?!“ und dann zieht mir ein Lächeln über das Gesicht und ich entschließe mich dazu, weiterhin die Freude in meinem Leben regieren zu lassen und mache weiter

Phase 6: Läuft!

Dann ist es auch kein weiter Weg mehr bis das Ding, dein Projekt, dein Wunsch, deine Lebensaufgabe zum Selbstläufer wird. Es wird durch all die anfänglichen Testphasen immer selbstverständlicher, dass du immer mehr und mehr an dem arbeitest, was dir wirklich wichtig ist.

Es wird zur Realität, dass du z.B. ein Video aufnimmst, einen Blog-Artikel mit deiner Meinung schreibst, oder mit Coachings oder Heilungsseminaren dein Geld verdienst. Wenn du mit dem was dir wirklich etwas bedeutet sichtbar wirst, erlaubst du auch anderen, das ernst zu nehmen, was ihnen wichtig ist. Dann bist du der lebende Beweis, das Träume, Wünsche und eine gelebte Berufung wirklich wahr werden können.

Gratulation zu deinem Mut dich zeigen zu wollen und ich möchte dich ermutigen: erreiche, berühre und inspiriere mit deinem „sichtbar werden“ so viele Menschen wie möglich!

Viel Erfolg dabei, denn wenn du mit dem was dir wichtig ist Erfolg hast, tut uns das allen gut!
Deine Catherine

PS.: Auch heute würde ich es genau wieder so machen wie damals. Daher habe ich eine kurze Liste mit den „6 Schritten, um sichtbar zu werden“ zusammengestellt. Du kannst dir die Liste kostenlos hier downloaden, oder klicke einfach auf das Bild unten.

LD_SichbarkeitsListeBox

Danke an Gabriele Lügger für ihren Aufruf zur Blogparade: Frauen steigern ihre Sichtbarkeit. Das Thema findet scheinbar großen Anklang und ich freue mich, wenn wir gemeinsam noch sichtbarer werden 🙂 Hier sind Gabriele’s Tipps „So kannst du deine Sichtbarkeit steigern„. Viel Spaß dabei.

5 Comments

  • Antonela

    Reply Reply 20. Juli 2016

    Hallo Catherine!

    Diese Probleme hatte ich auch alle, als ich mit meinem Blog anfing. Und noch immer habe ich es nicht all meinen Freunden gesagt…

    Mir fällt es zudem auch noch immer schwer, mit unsachlicher Kritik umzugehen, was ein Grund ist, wieso ich es nicht schaffe, einen Schritt weiter zu gehen….

    Ich freu mich, dass Du es geschafft hast, dich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren, denn ich finde deine Arbeit echt toll und auch deine Artikel mag ich gern lesen.

    Freue mich auf deine folgenden 😉

    Liebe Grüße,

    Antonela

    • Hallo liebe Antonela,

      das kann ich gut verstehen, mein „coming out“ mit meinem Projekt hat auch lange genug gedauert 😉 und wie du eigentlich schon sagst, mit unsachlicher Kritik kann man nicht umgehen, der kann man nur ganz bewusst keine Aufmerksamkeit schenken. Ich freue mich, wenn wir uns dazu mal ein bisschen länger austauschen.. Anfang August 🙂

      Freue mich auch schon auf deine nächsten Artikel <3

  • Gabriele Lügger

    Reply Reply 4. August 2016

    Hallo Catherine,
    schön, dass Du an meiner Blogparade teilgenommen hast. Das Bloggen kann süchtig machen, wenn man einmal damit angefangen hat 😉 Es ist krass, wenn sich die ersten Hater Kommentare melden. Da kann man schon ins Zweifeln kommen. Meine Art damit umzugehen, dass ich mir bewusst mache, dass ich dann irgendwelche Trigger bei den Leuten gedrückt habe, sonst würden sie sich nicht die Mühe machen, das zu schreiben. Aber mein Blog ist mein Wohnzimmer und in meine Wohnung lasse ich auch nicht jeden rein. Die Hater sollen sich bitte woanders tummeln.
    Also viel Spaß mit der Erfüllung Deiner Berufung.
    Alles Liebe.
    Gaby

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